Geschäftsbericht 2023

Der Leiter Abwasserwirtschaft berichtet

Thomas Di Lorenzo über die Auswirkungen hoher Niederschlagsmengen, weniger Rechengut und grünes Gas aus der Power-to-Gas-Anlage.

Thomas Di Lorenzo, Leiter Abwasserwirtschaft

2023 reinigte die Abwasserreinigungsanlage (ARA) 13,2 Millionen Kubikmeter Mischwasser. Das sind 1,6 Milliarden Liter Abwasser mehr als im Vorjahr. Vor allem die zweite Jahreshälfte war niederschlagsintensiv, was bewirkte, dass aus den Gemeinden und Städten mehr Regenwasser via Mischwasserkanalisation zur ARA geleitet wurde. Täglich reinigte die ARA durchschnittlich 36’294 Kubikmeter Mischwasser.

Reinigungsleistung

Reinigungsleistung Grenz-/Richtwert Einheit 2021 2022 2023
Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB) ≥ 85 % 94.6 96.0 95.6
Gesamtphosphor (Pₜₒₜ) ≥ 80 % 91.0 91.7 88.2
Gesamtstickstoff (Nₜₒₜ) ≥ 70 % 65.3 68.7 63.6
Ammoniumstickstoff (NH₄-N) ≥ 90 % 98.3 99.4 99.4

Nitrifikationsbecken saniert

Die hohen Wassermengen wirkten sich nachteilig auf die Reinigungsleistung der ARA aus. So wurde die angestrebte Eliminationsleistung des Gesamtstickstoffs von 70% mit 63,6% deutlich unterschritten. Dies war jedoch aufgrund der seit 2022 andauernden Sanierung der Nitrifikationsbecken voraussehbar. 2023 erneuerten wir die Betonbeschichtung und ersetzten die Blähtonkügelchen durch kleineres Trägermaterial. Auf den Kügelchen siedeln sich Mikroorganismen an, die das Ammonium aus dem Wasser entfernen. Dank des geringeren Durchmessers passen mehr Kugeln ins Becken, wodurch sich die Bewuchsfläche und somit die Reinigungsleistung erhöht.

Zusätzlich führten wir nach über zehn Betriebsjahren Inspektionsarbeiten in Schlamm- und Spülwasserbecken durch. Damit halbierte sich die Reinigungsleistung im Sommer während zwei Wochen. Die ARA verbrauchte im Berichtsjahr nur minim mehr Strom. Hohe Wassermengen führen normalerweise zu einem Anstieg des Energieverbrauchs. Die Teilabschaltungen der biologischen Reinigungsstufen im Sommer dämpften jedoch den Anstieg.

18 Tonnen weniger Rechengut rausgefischt

Im Vergleich zum Vorjahr fischte der mechanische Rechen 18 Tonnen weniger Rechengut aus dem Abwasser. Unsere Abwasserkampagne 2022 zeigt damit erste Erfolge. Wir hatten damals einen Flyer mit Abwassertipps an alle Limmattaler Haushalte verteilt mit dem Ziel, die Menge an Abfall im Abwasser zu verringern. Gleichzeitig wollten wir die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass wir gemeinsam zu einer höheren Wasserqualität beitragen können.

700’000 Normkubikmeter grünes Gas produziert

Die Frischschlamm- und Klärgasmengen waren in etwa vergleichbar zum Vorjahr. Die Power-to-Gas-Anlage ging im April 2023 wieder in Betrieb. Sie wurde wegen einer möglichen Energiemangellage Ende September 2022 vorübergehend abgeschaltet. Wir speisten während 4’329 Betriebsstunden rund 700’000 Normkubikmeter grünes Methangas ins Netz. Durch die erhöhten Betriebsstunden der Power-to-Gas-Anlage stieg der Strombedarf und die durch die Blockheizkraftwerke (BHKW) produzierte Strommenge sank. Beide Anlagen verwerteten rund 50% des produzierten Klärgases.

Kanalinnensanierung geplant

Die rund zehn Kilometer langen Hauptsammelkanäle wurden gereinigt und der Zustand im Hauptsammelkanal 2 geprüft. Die für den Herbst 2024 geplante Kanalinnensanierung des Hauptsammelkanals 1 im Bereich der Grundwasserschutzzone Schönenwerd wurde projektiert.

Potenzial Schwammregion Limmattal erkannt

Seit 2023 koordiniert Limeco die Planung der Siedlungsentwässerungen in den angeschlossenen Gemeinden und hat dazu eine Arbeitsgruppe mit Gemeindevertretern gebildet. Gemeinsam setzen wir uns für eine verbesserte und naturnahe Siedlungsentwässerung ein. Im Jahr 2023 startete Limeco eine Potenzialanalyse unter dem Aspekt «Schwammstadt und Regenwasser» für das Einzugsgebiet der ARA. Unser Ziel ist es, das Potenzial einer Schwammregion im Limmattal für Limeco und die Gemeinden zu ermitteln – ganz im Interesse des Gewässerschutzes und eines lebenswerten Limmattals.

Neben dem Regenwasser gilt es auch Fremdwasser in der Kanalisation zu vermeiden. Der Anteil Fremdwasser, der über das Abwasser in die ARA gelangt, liegt bei 35% bis 40%. Dabei handelt es sich um sauberes Wasser, wie beispielsweise aus Sickerleitungen, Brunnen, Leckagen oder Fehlanschlüssen. 2023 starteten wir diesbezüglich ebenfalls eine Analyse.

In den kommenden Jahren werden wir gemeinsam mit den Gemeinden den Schwerpunkt darauf legen, die Menge an Regen- und Fremdwasser in der Kanalisation zu reduzieren.

Thomas Di Lorenzo
Leiter Abwasserwirtschaft